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03.10.2022

Schweizer Gigafactory für Feststoffbatterien soll 2024 Produktionaufnehmen

Frauenfeld (energate) - In der Ostschweiz entsteht bis 2024 die weltweit erste Gigafactory für Feststoffakkus. Die  Produzentin Swiss Clean Battery will die Technologie vom Standort im Kanton Thurgau aus international etablieren und plant dazu den Börsengang in Zürich.

Der Plan der Swiss Clean Battery AG (SCB) ist ehrgeizig: Das Unternehmen, das im Februar in Frauenfeld gegründet wurde, baut in einer ersten dreijährigen Phase eine Produktionskapazität für 1,2 GWh im Kanton Thurgau auf. Nach sieben Jahren Betriebszeit will SCB die Produktion am Standort schrittweise bis auf 7,6 GWh erweitert haben und dazu über 1.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Unternehmenswert soll gleichzeitig auf über 8,6 Mrd. Franken steigen.

Mit einer Mitteilung und einer Pressekonferenz präsentierte SCB am 6. März das Vorhaben offiziell, nachdem einige Tage zuvor das St. Galler Tagblatt darüber berichtet hatte. Das Medium hatte als Standort für die Produktionsanlagen Wigoltingen genannt. Gegenüber energate wollte COO Thomas Lützenrath diese Angabe nicht kommentieren. Der Standort werde sich aber im Kanton Thurgau befinden. Über den Stand der nötigen Bewilligungen könne er aufgrund der laufenden Verfahren keine Auskunft geben, so Lützenrath. "Das Vorhaben erfüllt aber alle uns bekannten Anforderungen für den Aufbau eines solchen Betriebs", sagte er.

Markt für Stromspeicher im Fokus

Lützenrath zeigte sich deshalb guter Dinge, dass das Projekt wie geplant zustande kommt. Ansonsten sei es aber auch möglich, den Aufbau der Produktion anders zu staffeln. Der vorgelegte Businessplan sieht zunächst einen Kapitalbedarf von 300 Mio. Franken für die erste Produktionsphase vor. Vier Fünftel dieser ersten Tranche finanziert das Unternehmen demzufolge durch Fremdkapital. Weitere 60 Mio. sollen durch den Gang an die Zürcher Börse im Oktober 2022 dazu kommen. Damit realisiert Swiss Clean Battery unter anderem den Bau von 20.000 Quadratmetern Produktionsfläche, auf denen das Unternehmen jährlich 7,2 Mio. Batteriezellen fertigt.

In dieser ersten Phase will Swiss Clean Battery eine Belegschaft von 181 Mitarbeitern beschäftigen, die mehrheitlich im Dreischichtbetrieb arbeiten. Sie sollen Feststoffakkus für den Weltmarkt produzieren. Bedarf für die eigenen Produkte sieht SCB im Markt für Stromspeicher für private Haushalte und für Stromnetze. Vor allem in der Industrie käme Pufferspeichern enorme Bedeutung zu, um erneuerbare Energien zu integrieren, schreibt das Unternehmen. Darüber hinaus nennt SCB die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität als Anwendungsgebiet.

Begleitet von Empa und ZTB in Duisburg 

Die Technologie für die Feststoffakkus von SCB stammt von der High Performance Battery Holding AG oder HPB (energateberichtete<https://www.energate-messenger.ch/news/211524/start-up-entwickelt-feststoffakku>) mit Sitz in Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden. HPB agiert dabei als Lizenzgeber, der die betreffenden Rechte international vertreibt. Die beiden Firmen arbeiten auch sonst eng zusammen: So ist Thomas Lützenrath COO beider Unternehmen in Personalunion. Beim Aufbau der Produktion stehen Swiss Clean Battery die Forschungsanstalt Empa und das Zentrum für Brennstoffzellentechnik (ZBT) in Duisburg/DE zur Seite. Gemeinsam validierten alle drei Partner kontinuierlich die Ergebnisse. Die Verbindungen nach Deutschland umfassen ausserdem den Bereich Forschung und Entwicklung. Dieser ist in Bonn/DE bei der High Performance Battery Technology GmbH angesiedelt, einer 100-prozentigen Tochterfirma der HPB Holding AG in der Schweiz.

Nach Angaben des Unternehmens soll der seriell produzierte Feststoffakku aus der Schweiz den weltweiten Batteriemarktrevolutionieren. SCB zeigt sich überzeugt, mit dem eigenen Produkt die internationale Konkurrenz hinter sich zu lassen. Laut Mitteilung ist der Produktionsstandort für Feststoffakkus in Wigoltingen der weltweit erste mit einer Kapazität von mehr als einem 1GWh.

Durchbruch in der Entwicklung erzielt 

Feststoffakkus würden zwar bereits seit Jahren als vielversprechende Nachfolgetechnologie herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkus gelten und Gegenstand der Forschung auf der ganzen Welt sein, so SCB. Bisher sei es jedoch nicht gelungen, leistungsfähige Akkus mit Festionenleiter zu entwickeln, einem zentralen Baustein von Feststoffakkus. Das Problem besteht laut SCB darin, den Festionenleiter in den Batteriezellen mit den Elektroden in eine stabile Verbindung zu bringen. Das eigene Produkt habe diese Übergangsprobleme überwunden, heisst es in der Mitteilung.

Der von der SCB produzierte Feststoffakku halte "nahezu unendlich" und sei um 50 Prozent besser in der Umweltbilanz als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus. Der Präsentation zufolge stützt sich das Unternehmen dabei auf eine Ökobilanz, die das Darmstädter Beratungsunternehmen LCEE im Auftrag von SCB erstellt hat. "Ferner ist der Feststoffakku unbrennbar und damit sicher in der Anwendung, enthält keine kritischen Rohstoffe wie beispielsweise Kobalt, ist tiefentladefest und schnellladefähig", so SCB. /yb